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Maßnahmen zur Erhaltung des Speierlings (= "Spierebam", Sorbus domestica) in Luxemburg

Vers le niveau supérieur

Kooperationsprojekt zwischen der luxemburgischen Forstverwaltung (Administration des Eaux et Forêts Luxembourg) und der rheinland-pfälzischen Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF/Trippstadt).

Zur Geschichte des Speierlings in Luxemburg

Der Speierling ist heute in Luxemburg wohl die am stärksten vom Aussterben bedrohte einheimische Baumart. Von Frankreich herkommend, hat sich diese Baumart vor Jahrtausenden in den Luxemburger Wäldern ausgebreitet. In unseren lockeren, lichten, wärmeliebenden Waldgesellschaften fand der Speierling gute Wuchsbedingungen, unter denen er sich nicht nur erhalten, sondern auch vermehren und neue Gebiete erschließen konnte.

In Luxemburg hat vor allem die Abkehr von der früher praktizierten Mittel- und Niederwaldbewirtschaftung in den letzen 200 Jahren, zu einem drastischen Rückgang des ohnenhin seltenen Speierlings geführt. Der zunehmenden Konkurrenz durch Buchen und Fichten in den nun zunehmend hochwaldartig bewirtschafteten Wäldern war der lichtbedürftige und konkurrenzschwache Speierling nicht gewachsen und so verschwand er im Laufe der Zeit fast gänzlich aus unseren Wäldern.

Wie drastisch der Rückgang der Speierlingspopulation in Luxemburg ist, wird sehr eindrücklich durch den Vergleich der Daten aus der alten Luxemburger Obstbaumstatistik – in der der Speierling früher regelmäßig aufgeführt wurde - und der aktuellen Kartierung (WERNICKE, 2003) dargestellt. So wurden noch im Jahre 1902 in der alten Luxemburger Obstbaumstatistik 1104 (!) Exemplare erwähnt. Im Jahre 2003, konnten im Rahmen einer planmäßigen Kartierung von diesen Bäumen jedoch nur noch 87 bestätigt werden.

Daß der Speierling in den letzten 100 Jahren nicht vollends in Vergessenheit geraten ist, dürfte er in Luxemburg vor allem seinen Früchten zu verdanken haben, aus denen Schnapsbrenner auch heute noch einen kostbaren Edelbrand erzeugen - die traditionsreiche „Spierendrëpp“.

Erkennen

Mit seinen gefiederten Blättern ist der Speierling relativ leicht zu erkennen. In der Jugendphase besteht jedoch die Möglichkeit ihn mit der relativ häufig anzutreffenden Vogelbeere/Eberesche (Sorbus aucuparia L.) zu verwechseln. An den Knospen kann man den Speierling (grünbraun, kahl, klebrig) von der Vogelbeere (grauschwarz, filzig-behaart) jedoch sicher unterscheiden. Zeit ihres Lebens besitzt die Vogelbeere zudem eine glatte Rinde, wohingegen der Speierling ab dem 7. Lebensjahr eine zunehmend grob aufgerissene Borke ausbildet, die im Alter der der Eiche ähnelt. Unverwechselbar ist der Speierling vom Sommer an, da nur er gelbrote 3 – 4 cm dicke Früchte trägt. photo1
Blätter und Früchte des Speierlings

Bisherige Erhaltungsbemühungen

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Waldspeierling im Biergerbësch bei Gostingen
Im Wald sorgen heute die zuständigen Revierförster durch wiederholte, behutsame Freistellungen dafür, daß die noch vorhandenen Altspeierlinge solange wie möglich am Leben erhalten werden, da sie eine äußerst wertvolle Genreserve darstellen. Unter günstigen Voraussetzungen kann der Speierling durchaus Alter von über 350 Jahren erreichen.
Große Aufmerksamkeit erfuhr der Speierling im Jahre 1993 als man diese Baumart in Luxemburg und in Deutschland zum Baum des Jahres wählte. In der Folgezeit kam es auch erstmals seit geraumer Zeit wieder zu nennenswerten Neuanpflanzungen von Jungspeierlingen. Meist ging die Initiative für diese Pflanzungen von Umweltverbänden und engagierten Forstleuten aus; aber auch einige Privatleute beteiligten sich tatkräftik an diesen Aktionen. Die Pflanzungen im Wald erfolgten in der Regel entlang von Waldwegen und Waldrändern wo der Speierling gute Lichtverhältnisse für sein Wachstum vorfand. Der überwiegende Teil wurde jedoch als Solitärbäume entlang von Feldwegen, in Obstwiesen oder in Parks gepflanzt. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß der Speierling - hat er die ersten Jahre überstanden - ein vitaler, robuster und gesunder Baum ist, der durch seine außergewöhnlich prächtige Herbstfärbung das Landschaftsbild bereichert. photo3
8-jähriger Jungspeierling bei Nommern

Nutzen

Der Speierling ist aber nicht nur deshalb so interessant, weil er so selten ist, sondern weil er auch ein außerordentlich wertvolles, hochbezahltes Holz liefert und seine Früchte vielseitig verwendbar sind.

Das Holz
Das Holz des Speierlings ist das härteste und schwerste (Darrgewicht 0,88g/cm3) unter den einheimischen europäischen Laubbaumarten. In der Vergangenheit spielte sein Holz in Luxemburg besonders in der Moselgegend eine bedeutende Rolle, da es aufgrund seiner herausragenden mechanischen Eigenschaften für den Bau von Obst- und Weinpressen sehr gesucht war. Aber auch beim Bau von Wind- und Wassermühlen wurde das Holz für mechanisch besonders stark beanspruchte Teile verwendet.

Wie wertvoll und gefragt das Holz des Speierlings auch heute noch ist, beweisen alljährlich Wertholzsubmissionen, wie etwa die im elsässischen St. Avold. Hier erzielt qualitativ hochwertiges Speierlingsholz (Furnierqualität) seit Jahren Spitzenpreise. So wurden beispielsweise im Jahre Jahre 1998 für Spitzenstämme zwsichen 1.650 und 3.400 €/m3 bezahlt. Im Augenblick erzielt nur das Holz der Elsbeere noch höhere Preise.

In Luxemburg spielt die Nutzung des Speierlingsholzes momentan jedoch keine Rolle, da die wenigen, noch verbliebenen Speierlinge streng geschont werden um sie solange wie möglich zu erhalten.

Die Früchte

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Früchte des Speierlings, © Foto W. Kausch

Schon seit dem Mittelalter weiß man um die medizinische Wirksamkeit der Speierlingsfrüchte bei Magen- und Darmerkrankungen. Verantwortlich dafür, ist der außergewöhnlich hohe Gehalt an Gerbstoffsäuren, den sogenannten Phenolen (=Tannine), die sich durch eine bakterienabtötende Wirkung auszeichnen.

Später erkannte man auch, daß die Gerbstoffsäuren der Speierlingsfrüchte zur Klärung des Apfelweines verwendet werden konnten, da die Phenole die Trüb- und Schwebstoffe des Apfelweines adsorbieren. Dadurch, und durch die bakterizide Wirkung der Phenole, erreichte der Wein auf natürliche Weise eine außerordentlich hohe natürliche Haltbarkeit. Vergleichbar ist dieser Vorgang mit dem Auftannieren von bestimmten Rotweinen in Barriqueeichen-Fässern.

Die Speierlingsfrüchte haben aber nicht nur einen sehr hohen Gehalt an Gerbstoffsäuren, sondern auch einen außerordentlich hohen Zuckergehalt, der jedoch meist durch den sauren, adstingierenden (=zusammenziehenden) Geschmack der Früchte überdeckt wird.

So wurden in verschiedenen Fruchtanalysen mitunter schon Öchslegrade zwischen 120 und 130° gemessen, was einem Zuckergehalt von über 30% (!) entspricht. Bedingt durch diesen hohen Zuckergehalt läßt sich aus den Früchten auch ein hervorragender Obstschnaps brennen - die sogenannte „Spierendrëpp“. Aus diesem Grunde hatte der Speierling noch vor rund hundert Jahren im Luxemburger Obstbau eine gewisse Bedeutung und wurde deshalb auch regelmäßig in der Luxemburger Obstbaumstatistik erfaßt.

Warum überhaupt ein Generhaltungsprojekt für den Speierling?

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Solitärspeierling bei Schrondweiler
Wie fast alle anderen einheimischen Baumarten ist auch der Speierling ein Fremdbestäuber und folglich heterozygotisch. Dies bedeutet, daß jeder Baum aus ungleichen Geschlechtszellen hervorgegangen ist und selber auch wieder ungleiche Geschlechtszellen ausbildet. Allerdings ist eine Fremdbestäubung nur dann möglich, wenn mindestens zwei Exemplare in einer so kurzen Distanz zueinander stehen, daß sie von Pollen sammelnden Insekten auch angeflogen werden können und so ein Austausch des genetischen Materials zwischen den beiden Exemplaren überhaupt ermöglicht wird. Als maximale Entfernung zwischen zwei Speierlingen, bei der eine Fremdbestäubung noch möglich ist, wird eine Strecke von 4 km angenommen. Dies entspricht dem Flugradius der gewöhnlichen Honigbiene.

Leider stehen die meisten autochtonen Waldspeierlinge in Luxemburg jedoch so weit voneinander entfernt, daß eine Fremdbestäubung und somit ein genetischer Austausch zwischen den verschiedenen Individuen nicht mehr möglich ist. Bei diesen isoliert stehenden Speierlingen kommt es daher zur Selbstbestäubung mit dem eigenen Pollen (Inzucht). Äußerlich unterscheiden sich die Früchte dieser selbstbestäubten Bäume nicht von denen fremdbestäubter. Schneidet man allerdings eine selbstbefruchtete Speierlingsfrucht auf, so stellt man fest, daß man in den fünf vorhandenen Kernfächern lediglich einen entwickelten Kern findet. Bei fremdbestäubten Bäumen hingegen sind im Idealfall fünf entwickelte Kerne zu finden.

Saemling
"Albinosämling"
Weitaus schwerwiegender ist jedoch die Tatsache, daß die Nachkommen selbstbestäubter Speierlinge sehr häufig Inzuchtdefekte (Inzuchtdepression) und sehr schlechte Keimergebnisse aufweisen. Oft zeigen sich diese Defekte schon sehr früh durch nicht lebensfähige Albinosämlinge (kein Chlorophyll -> keine Photosynthese -> keine Energieproduktion der Pflanze).

Später tritt häufig Mattwüchsigkeit und/oder Resistenzschwäche gegen Blatt- und Rindenkrankheiten auf; vor allem der Apfelschorf (Venturia inaequalis) und der Obstbaumkrebs (Nectria galligena) sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

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2-3 Speierlinge in der Baumschule der LWG,
Veitshöchheim

Um diesen Problemen zu begegnen und um das für die genetische Vielfalt überaus wertvolle genetische Material der noch vorhandenen Altspeierlinge zu bewahren, hat sich die Forstverwaltung entschlossen, für den stark bedrohten Speierling einen Generhaltungssamengarten aufzubauen. In einem solchen Samengarten wird das genetische Material jedoch nicht nur konserviert, sondern er dient mittelfristig auch dazu hochwertiges Saatgut für die Pflanzen anzucht gewinnen zu können.

Dafür werden von den noch vorhandenen Altbäumen durch Pfropfen genetisch identische Kopien (Klone) erzeugt, die dann in mehrfacher Wiederholung auf einer etwa 1 ha großen Fläche gepflanzt werden. Durch dieses Zusammenführen verschiedener Speierlingsherkünfte wird erreicht, daß sich die Bäume wieder fremdbestäuben können und genetische Neukombinationen wieder möglich werden.

Solche Neukombinationen sind außerordentlich wichtig, da eine breite genetische Streuung die Grundvoraussetzung für das Überleben einer Art ist. Je höher die genetische Vielfalt ist, umso besser kann sich eine Art an verändernde Umweltbedingungen anpassen.

Als wissenschaftlicher Kooperationspartner für dieses Projekt konnte die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz gefunden werden.

Kontaktadresse der zuständigen Projektbetreuer in Luxemburg::

Fred Trossen
Direction des Eaux et Forêts

16, rue Eugène Ruppert
L-2453 Luxembourg
Tél.: +352 402 201 -223
Fax: +352 402 201 - 250
email: fred.trossen@ef.etat.lu


Literatur:

Anonymus (2000):Konzept zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung forstlicher Genressourcen in der BRD: Sächsische Landesanstalt für Forsten Pirna-Graupa (Hrsg.), 66 S.
Brandt, R. (1986): Zum Vorkommen des Speierlings (Sorbus domestica L.) in Nordrhein-Westfalen und Luxemburg. Diplomarbeit an der FH Holzminden (unveröffentlicht), 100 S.
Dagenbach, H. (2001): Inzuchterscheinungen beim Speierling. Corminaria, 15, S.11/12.
Kausch-Blecken von Schmeling, W. (2000): Der Speierling, Verlag Kausch, D-37120 Bovenden. 184 S.
Maurer, W.D. & Tabel, U. (2003): Erhaltung und Nutzung seltener Baumarten und heimischer Straucharten in Rheinland-Pfalz. Forst und Holz, 57. Jahrgang., S.25-29.
Wernicke, S.(2003): Der Speierling (Sorbus domestica L.) im Großherzogtum Luxemburg, Diplomarbeit an der Forstwissenschaftl (unveröffentlicht). Fakultät der Universität Freiburg, 88 S. + Anhang.
Tabel, U. (2000):Zur Erhaltung des Speierlings (Sorbus domestica L.) in Rheinland-Pfalz. Corminaria, 13, S.3-7.


Zusammenfassung (PDF-Format)

Wer brennt heute in Luxemburg noch die "Spierendrëpp"

Poster Speierlingsprojekt



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